Warum ich aus What’s App aussteige

Viele Jahre lang habe ich den weitverbreiteten Messenger genutzt, habe mit Konfirmanden, Teamern, Familienangehörigen und vielen anderen mehr per What’s App kommuniziert. Doch nun ist Schluss damit – auch wenn es zunächst sehr unbequem wird, weil zur Zeit viele Kontakte darüber laufen.
Glücklicherweise gibt es eine gute Alternative. Sie ist ebenfalls kostenlos, datenschutzkonform und hat eine steil ansteigende Nutzerzahl: Der Messengerdienst „Wire“. (Siehe unten)

Was mich an What’s App stört:
– Alle Adressdaten gehen an Dritte
Wer sich bei WA anmeldet, stimmt zu, dass alle seine Adressbuchdaten bei der Facebookgruppe landen – unabhängig davon, ob die Nutzer dort registriert sind oder nicht.
In den AGB (https://www.whatsapp.com/legal/?eea=1#privacy-policy-information-we-collect) heißt es:
„Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten.“

„Im Einklang mit geltenden Gesetzen“ bedeutet hierbei, dass demjenigen, der sich bei WA anmeldet, eine schriftliche Einverständniserklärung all seiner Kontakte vorliegt, die besagt, dass deren Namen, Telefonnummern und eMail-Adressen dem Konzern zur Verfügung gestellt werden dürfen.
Aus diesem Grund verbieten viele Institutionen ihren Mitarbeitern zu Recht, What’s App auf einem Diensthandy zu nutzen.
Als Pastor verwalte ich sensible Daten wie zB nicht öffentliche Telefonnummern in meinem Adressbuch. Allein deswegen ist What’s App ein No Go.
Übrigens sieht WA das auch so:
„Du wirst unsere Dienste nicht auf eine Art und Weise nutzen (bzw. anderen bei der Nutzung helfen), die: … (f) eine nicht-private Nutzung unserer Dienste beinhaltet, es sei denn, dies wurde von uns genehmigt.“

– Nachrichten und Bilder werden ausgewertet
https://www.whatsapp.com/legal/?eea=1#how-we-process-your-information:
„Deine Lizenz gegenüber WhatsApp.
Damit wir unsere Dienste betreiben und bereitstellen können, gewährst du WhatsApp eine weltweite, nicht-exklusive, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung der Informationen (einschließlich der Inhalte), die du auf bzw. über unsere/n Dienste/n hochlädst, übermittelst, speicherst, sendest oder empfängst“

„Zur Bereitstellung von Messungen, Analysen und sonstigen Unternehmens-Services, wenn wir die Daten als Datenverantwortlicher verarbeiten. Wir haben berechtigte Interessen an einer Verarbeitung zu folgenden Zwecken:
Zur Bereitstellung genauer und zuverlässiger Berichte für Unternehmen und sonstige Partner, um eine genaue Preisgestaltung und genaue Leistungsstatistiken zu gewährleisten, und um den Wert aufzuzeigen, den unsere Partner durch die Nutzung unserer Dienste realisieren; und
Im Interesse von Unternehmen und sonstigen Partnern, um ihnen zu helfen, Erkenntnisse über ihre Kunden zu erlangen und ihre Geschäfte zu verbessern, unsere Preismodelle zu validieren, die Effektivität und Verbreitung ihrer Dienste und Nachrichten zu bewerten und Aufschluss darüber zu erlangen, wie die Menschen mit ihnen auf unseren Diensten interagieren.
Um dir Marketingkommunikationen bereitzustellen. Wir haben berechtigte Interessen an einer Verarbeitung zu folgenden Zwecken:
Zur Förderung der Produkte der Facebook-Unternehmen und Veröffentlichung von Direktmarketing.
Um Informationen mit anderen, einschließlich Strafverfolgungs- bzw. Vollstreckungsbehörden, zu teilen und um auf rechtliche Anfragen zu reagieren.“

Selbst erlebt: meine Frau kauft für den Schwiegersohn eine Ledertasche zu Weihnachten. Sie fotografiert die Tasche mit ihrem Handy und schickt das Bild an unsere Tochter. Kurz darauf bekommt diese auf Facebook Werbung für eben diese Tasche.
Man kann das praktisch finden – ich finde es gruselig.
Wenn ich Bilder auf Facebook veröffentliche, erkläre ich mich damit einverstanden, dass diese öffentlich sichtbar sind. Aber im privaten Nachrichtenverkehr möchte ich keinen großen Bruder, der mir über die Schulter schaut.
Nicht selten nimmt ein Chat auch seelsorgerlichen Charakter an. Ich weiß nicht, inwieweit WA die Inhalte der Textnachrichten auswertet – aber ich möchte es auch nicht darauf ankommen lassen.

– es werden Metadaten gesammelt
WA analysiert wer mit wem wann und wo kommuniziert und generiert daraus Profile. Warum das schlimm ist?
Was Metadaten verraten

– What’s App verrät deine Handynummer
Klingt banal – aber jeder, mit dem du per WA kommunizierst, hat automatisch auch deine Handynummer und kann dich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Bei Wire ist das anders.

Warum ich Wire nutze
Eine gute Zusammenfassung findet sich unter
https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/wire-sichere-skype-und-whatsapp-alternative/

  • Wire ist eine Schweizer Firma und unterliegt dem europäischen Datenschutz.
  • Sie lässt sich regelmäßig von Fremdfirmen überprüfen (Audits).
  • Alle Nachrichten werden von Gerät zu Gerät verschlüsselt, sind für die Firma also nicht einsehbar. Das gleiche gilt für Telefonate.
  • Der Programmcode ist Open Source – dh. er kann von Programmieren der ganzen Welt auf verdächtige Codezeilen überprüft werden.
  • Der Dienst ist kostenlos – Geldgeber ist unter anderem der ehemalige Skype-Mitgründer Janus Friis. Die zukünftige Finanzierung wird über ein Premium-Modell für Geschäftskunden sichergestellt, das seit Herbst 2017 verfügbar ist.
  • Es gibt eine gute Desktop-App (sogar für Linux!)
  • Man braucht keine Handynummer, um sich anzumelden – eine Mailadresse reicht aus
  • Auch wenn man sich mit einer Handynummer anmeldet, wird diese anderen Kontakten nicht angezeigt.
  • Man kann problemlos mehrere Accounts einrichten (zb um private und berufliche Nachrichten zu trennen)
  • und natürlich sind alle Funktionen vorhanden, die man von WA her so kennt: Bildübertragungen, Telefonie, Gruppenchats …

Wer den Dienst einmal ausprobieren möchte: einfach die App runterladen, ein Konto einrichten – mich findet man dort unter @jarndt

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2 Kommentare zu „Warum ich aus What’s App aussteige

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    1. Ich bin da erstmal der Empfehlung der Datenschutzbeauftragten gefolgt. Bei Wire habe ich einen guten Support und es ist ebenfalls OpenSource. Über XMPP weiß ich schlicht zu wenig.

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